In sorbische Mythenwelt getanzt
Brixen...Der Chor besticht durch intensives Verschmelzen mit dem Geschehen und die typische osteuropäische Stimmgebung. Die Musik zur Ballettoper spannt den musikalischen Bogen von folklore-inspirierten, rhythmisch akzentuierten Tänzen über melancholische Lieder bis zu Leitmotivik für bestimmte Personen oder Geschehnisse. Besonders schön zu beobachten ist auch die Spielfreude des Orchesters und die achtsame Führung durch den Dirigenten Dieter Kempe. An Tänzen bekommt das Publikum eine Vielfalt zu sehen: Stocktänze, Totentanz mit Totenschädel und Fackeln, Paartänze, Soloeinlagen, Ensembletänze, alles in vollendeter Perfektion...Das junge Brixner Publikum lohnt dem Sorbischen National-Ensemble seinen Einsatz mit begeistertem Applaus und einer tosenden Welle stampfender (Kinder)Füße.
Dolomiten, 31.03.09, Verena Palfrader
Im Banne von Sagen, Mythen und Legenden
Sögel...Es entstand eine im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Mixtur aus Tänzen in expressiver Wucht, Kraft und Farbigkeit, Musik, großer Erzählkraft, slwischem Kolorit und einfühlsamer Rhythmik. Die Gesänge bildeten die gesamte Bandbreite menschlicher Tonalität und Kommunikation ab. Das Stück reichte weit über das hinaus, was man gelegentlich unter dem Begriff der Folklore subsummiert... Die Handlung artikuliert sich vielmehr in ausdrucksstarken Bildern, die von einer stimmungsvollen Beleuchtung und musikalischen Klängen in ihrer Aussage unterstützt werden. Gekonnt zelebrierte das Ensemble zwischen Rundtanz und Stockkampf folkloristische Kunst und bildete damit jene slawische Schwermut ab, die über dem ganzen Stück liegt...
Emszeitung, 23.05.2006, Roland Quinten
La Poste: Poesievoller "Königsmythos"
Visp... Dieses mythische und auch dramatische Geschehen wurde durch die hervorragende Choreographie des Balletts und die Musik von Detlef Kobjela künstlerisch auf ein erstaunliches Niveau gehoben. Die Choreographie vereinte Elemente des slawischen Volkstanzes mit dem klassischen Ballett zu einer eindrücklichen Mischung. Kobjela hat dazu eine sehr wandlungsfähige Musik geschrieben, die Hymnisches, Lyrisches, Spritziges, echte Gefühle und Zartes mit kriegerischen Ausbrüchen verbindet, der auch manchmal die berühmte slawische Melancholie anhaftet...Auch die chorische Einstudierung (Karsten Sprenger) mit Gesang, Sprechteilen und gar Schreien liess sich sehen...Kurz: Die Verarbeitung des mythologisch-märchenhaften Stoffes der "sieben Könige" in eine Art Tanzoper ist geglückt und vermittelte Emotionen...
Walliser Bote, 04.04.2006, ag.
Bildgewaltige Ballettoper
Sorbisches National-Ensemble bot mit "Das Jahr der Könige"
im Stadttheater ein Fest der Sinne
Herford...Die Choreographie nutzt die ganze Bandbreite tänzerischer Ausdrucksmöglichkeiten, von klassischen Schrittfolgen der Liebenden bis zu Action-Sequenzen, die aus einer Stuntman-Show stammen könnten.
Die Musik - von Orff beeinflusste Chorsätze wechseln mit Ballettsuiten, die an Igor Strawinskys "Sacre du Printemps" erinnern, unterstreicht die Individualität der Sieben, die nicht zögern, sich für das eigene Volk zu opfern...
Neue Westphälische, Ausgabe Herford, 19.04.2005, Ralf Bittner
Eine märchenhafte Ballettoper
Thun erlebte eine märchenhafte Premiere: Die KGT verpflichtete für zwei Tage das Sorbische National-Ensemble. Seine Inszenierung "Das Jahr der Könige" sprach alle Sinne an. Ein würdiger Saisonabschluss!
Beschreiben lässt sich eigentlich nicht, was das Sorbische National-Ensemble im Thuner Schadausaal am vergangenen Wochenende zauberte. Wer jedoch Märchen liebt und sich auf deren Gestalten einlässt, der erlebte ein Schauspiel mit Orchester, Gesang und Ballett, das alle Sinne ansprach - und rationale Erklärungs- und Deutungsversuche weit hinter sich liess.
Tradition und Moderne
Dass die Sorben - das kleinste westslawische Volk in den Bundesländern Sachsen und Brandeburg - von verschiedenen Volksstämmen beenflußt werden und noch immer werden, zeigt einerseits Detlef Kobjelas Komposition der aufgeführten Ballettoper "Das Jahr der Könige": Da lassen sich Einflüsse von den beiden tschechischen Komponisten Dvořák und Smetana genauso ausmachen wie Carl Orffs Einfluss auf die musikalische Gestaltung der Chorpartien oder Strawinskys "Sacre du printemps" in Ballettsuiten.... Doch auch die Choreographie von Juraj Kubánka zeugt von den unterschiedlichen Stilmitteln. Da wechseln sich klassische Ballettschritte der Liebespaare mit modernen Interpretationen der Kampfszenen ab ...Mit Liebe zum Detail hat Renée Hendrix passende Kostüme gestaltet, die Märchen und Kulturen verschmelzen lassen.
Ein harmonisches Ganzes
Erfrischend frech wirkt die vierte Szene...Bedrückend und bedrohlich dagegen die Verfolgung des Waldwesens durch die Menschen...Einmal mehr zeigte sich, dass Orchester, Ballett und Chor fähig waren, die Emotionen des Publikums direkt anzusprechen und zu lenken. Ein verzweifelter Schrei des Chores, ein fulminanter Orchestereinsatz, gepaart mit furiosen Zweikämpfen des Balletts, liessen die Anwesenden im Saal erstarren. Und als das Licht der Bühne erloschen, setzte der Applaus erst mit Verzögerung ein...
Thuner Tageblatt, 11.04 2005, Heinerike Eggermann